Stolpersteine für Familie Michaelis
Am Dienstag, dem 23. Juni 2026, werden in Zittau fünf weitere Stolpersteine für Familie Michaelis verlegt. Die neuen Steine erinnern an John und Emilie „Emmy“ Michaelis sowie ihre drei Kinder Margot, Wolfgang und Rita. Die Verlegung erfolgt in Kooperation zwischen der Hillerschen Villa und der Stadt Zittau.
Mit der Verlegung wird an das Schicksal einer Familie erinnert, die über Jahrzehnte das wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiöse Leben der Stadt mitprägte. Die Familie Michaelis gehörte zu den bedeutenden jüdischen Familien Zittaus. Bereits die Eltern von John Michaelis zählten zu den Mitbegründern der israelitischen Religionsgemeinde.
John Michaelis war Kaufmann und ausgezeichneter Frontsoldat des Ersten Weltkriegs. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er bereits im März 1933 verhaftet und im nahegelegenen Hainewalde interniert. Die Familie musste Zittau verlassen und wurde in den folgenden Jahren Opfer von Verfolgung, Entrechtung und Vertreibung. Nach einer erneuten Verhaftung infolge der Novemberpogrome 1938 wurde John Michaelis in das Konzentrationslager Dachau gesperrt. 1944 erfolgte seine Deportation nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz-Birkenau, wo er ermordet wurde. Seine Frau Emmy sowie die Kinder Margot, Wolfgang und Rita überlebten die NS-Zeit in der besetzten Tschechoslowakei.
Die Gedenkveranstaltung beginnt am 23. Juni um 9.00 Uhr an der Neuen Burgstraße 1b in Zittau. Neben der Verlegung der Stolpersteine stellen Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut eine Familienbiographie vor, die sie in den letzten Monaten erarbeitet haben.
Zur Stolpersteinverlegung werden zudem Nachfahren der Familie Michaelis aus Deutschland und den Vereinigten Staaten erwartet. Der Stadt Zittau und der Hillerschen Villa ist es ein besonderes Anliegen, den Kontakt zu der Familie wiederaufzunehmen, deren Angehörige einst aus der Stadt vertrieben wurden, und ihre Biographie als Teil der Stadtgeschichte sichtbar zu machen.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig und erinnern an Menschen, die durch das nationalsozialistische Regime verfolgt, entrechtet, deportiert oder ermordet wurden. Sie werden vor deren letzten frei gewählten Wohnorten verlegt und machen die individuellen Lebensgeschichten der Betroffenen im öffentlichen Raum sichtbar. Mit der Verlegung für die Familie Michaelis wird die Erinnerungsarbeit in Zittau um ein weiteres wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte ergänzt.
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich hier.
Kontakt:
Felix Pankonin
f.pankonin@hillerschevilla.de
+49 (0) 3583 779633
www.zeitgeschichten-oberlausitz.de
Hillersche Villa gGmbH
Klienebergerplatz 1
02763 Zittau